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Die Kate bei unserer Ankunft mit der morschen Haustür…

Als wir – mit dem Gepäck, dass in einen Opel Zafira und fünf Koffer passt – in Ostholstein ankamen, war es Mitte August. Und obwohl unsere drei Töchter ein paar Tage später schon ihre ersten Tage in Schule und Kindergarten haben sollten, fühlte sich alles noch sehr wie Urlaub an. Wir hatten für zwei Monate eine kleine aber hübsche Ferienwohnung im Nachbarort gemietet. Dort wollten wir wohnen, bis wir die Kate bewohnbar gemacht hatten. Unser restliches Hab und Gut war bei der Umzugsfirma zwischengelagert und sollte Anfang November gebracht werden.Die Kate vor der Sanierung

Unsere erste Sorge – ganz Großstädter – war die Haustür. Die ließ sich kaum abschließen und hatte große Spalten, durch die jetzt im August nur warme Winde drangen – den Winter aber würden wir so nicht überleben. Mein Deutsch war nach 15 Jahren Niederlande ziemlich verrostet und da „Timmermannen“ in Holland so ungefähr alles machen, was mit Holz zu tun hat, suchte ich im Telefonbuch keinen Tischler sondern einen Zimmermann heraus und fragte, ob er mal vorbeikommen könne, wir bräuchten eine neue Tür.

Die renovierte Kate ohne die Nebengebäude.
…und ein paar Jahre später.

Dieser kleine Sprach-Irrtum, hat uns viel Glück gebracht. Denn so haben wir Oloff kennengelernt, den wunderbaren Zimmermann, der uns beim Umbau mit Tat aber vor allem mit viel Rat beigestanden hat. Wie unsere erste Begegnung auf Oloff gewirkt haben mag?  In meiner Erinnerung hatte er die ganze Zeit ein kleines Lächeln um die Mundwinkel – ich vermute, er versuchte mit aller Kraft das Lachen zu unterdrücken. Aber zum Glück verfügte dieser echte Holsteiner über eine Engelsgeduld – sonst hätte er es mit uns bei diesem Projekt nie ausgehalten. Deshalb hat er nur – auf seine trockene und freundliche Art – angemerkt, dass die Tür das letzte sei, woran wir jetzt denken sollten. Wie es denn mit dem Fußboden sei. Das weitere Gespräch ging dann ungefähr so: „Die Kacheln liegen direkt auf dem Boden, aha“. „In welchem Zustand sind die Fenster denn? Oho“. Ob wir das Dach ausbauen wollen? Ob wir darüber nachgedacht haben, dass der Boden zwischen den Etagen wahrscheinlich nur für leichtes Reet und das Stroh, das dort gelagert wurde, berechnet sei?

Er brauchte es nicht auszusprechen, nach ein paar Fragen war uns deutlich, dass der Boden ausgegraben und nach unten isoliert werden musste, neue Balken eingezogen werden und die Wände gedämmt. Und dass das Modell „wir renovieren allmählich, während wir schon dort wohnen“ für dieses Projekt nicht machbar war.

So haben wir statt zwei Monaten acht in der Ferienwohnung verbracht. Und als wir unseren ersten Holsteiner Winter erlebten – mit viel Schnee und Minustemperaturen – da waren wir froh, dass es Oloff Dohse war, den wir aus dem Telefonbuch gesucht haben. Und nicht ein Tischler, der uns eine neue Tür gebaut und sich schnell wieder verabschiedet hätte.  Oloff hatte bei der Renovierung schließlich bei fast allem seine fachkundigen Hände im Spiel – aber nicht bei der Haustür. Die hat ein Tischler gemacht. Denn Zimmermänner machen keine Haustüren.

Übrigens soll die Tür eigentlich farbig gestrichen werden. Wir können uns nur immer noch nicht entscheiden, ob sie kritschgrün werden soll, wie hier in Holstein üblich. Amsterdammer Dunkelgrün? Oder Lübecker Graublau? Manche Entscheidungen dauern eben…