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Zwischen unserer ersten Begegnung mit der Buschkate und unserem Einzug lag ein langer und buchstäblich auch sehr steiniger Weg.  Soviel aber schon mal vorweg: Es gab ein Happy End und das sieht so aus:

Blick auf den renovierten Schuppen und die Reetdachkate

Doch im Frühjahr 2006 waren wir von diesem Happy End noch weit entfernt. Wir hatten uns bisher nur verliebt, und zwar in einen Bach und drei Hektar Wiese und Wald und eine Schlucht mit dem geheimnisvollen Namen „Stangengruft“.  Schon im Februar – von Eis und Schnee bedeckt – hatte sie uns bezaubert. Als wir sie im April wiedersahen, war es um uns geschehen.

Umgefallene Bäume im Wald

Die Schlucht wirkte, als hätte man sie seit hundert Jahren nicht mehr betreten. Reste eines alten Staudamms ließen uns Vermuten, dass dort vielleicht einst die Walkmühle gestanden hatte, nach der die Straße benannt ist. Und dann entdeckten wir die Stelle mitten in der Schlucht, in der die Hänge fast kreisförmig um eine breite Halbinsel herumstehen – ich habe sie damals „Kathedrale“ getauft und so erfahre ich diesen Ort noch immer: ruhig und magisch.
Dass auf diesem Grundstück eine Kate Ruine stand, die Buschkate hieß und an der auch seit 100 Jahren niemand mehr etwas verändert hatte, schreckte uns nicht ab. Im Gegenteil: Wir waren froh, dass man sie nicht kaputtrenoviert hatte, wie so viele der Häuser, die wir in den letzten Monaten besichtigt hatten.  Wir freuten uns schon darauf, uns der vielen alten Details anzunehmen und die Kate langsam wieder zum Leben zu erwecken. Schließlich hatten wir gemeinsam schon zwei große Renovierungen gemeistert: eine total heruntergekommene Doppeletage im Amsterdammer Viertel „Watergraafsmeer“ und ein Haus in der Pauwenlaan in Den Haag, beides Häuser vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir wussten, dass Renovieren oft mehr Aufwand ist als Abreißen und auch, dass wir es als Familie aus auf einer Dauerbaustelle aushalten können.  Dass der Makler uns zum Abriss geraten hatte, ließ uns einigermaßen kalt: Wie wenig Wertschätzung er für alte Häuser hatte, war uns bei den vielen Hausbesichtigungen schon aufgefallen.

Die Kate von innen mit alten Möbeln.
Wir kauften die Kate komplett eingerichtet : ).

 

..

Doch dann führten wir einen auf Sanierung spezialisierten Architekt durch die Kate. Wir erwarteten spannende Gespräche über zu erhaltende Balken oder tragende Wände. Statt dessen schüttelte er nur immer wieder den Kopf. Sagte Dinge wie: „Das wollt ihr euch nicht antun. Das Haus ist es nicht wert, gerettet zu werden. Das lohnt sich nicht!

Da standen wir mit unserer Katenvision. Wir hatten beide nie von Neubauhäusern geträumt. Klar, kann man mit Holz und moderner Architektur viel machen. Aber was uns begeistert sind Treppengeländer, die schon von Generationen berührt wurden. Fenster mit alten Beschlägen. Die kleinen Aufmerksamkeiten, für die Handwerker früher noch Zeit hatten.  Und es wollte uns auch nicht in den Kopf: Wie konnte es sich nicht lohnen, dieses Haus zu renovieren? So viel Geschichte, die in jedem alten Stein, jedem alten Balken steckt? Und was würde dann aus all den Stellen in Landkarten und Wanderführern, wo die Buschsche Kate als Landmark verzeichnet ist? Schwer zu verstehen fanden wir auch, dass das Haus nicht denkmalgeschützt war. Ja, den Vorgiebel hatte man um 1900 ersetzt – aber der alte krumme Schornstein, die Kassettendecke im Wohnzimmer, das schöne Fachwerk sollten nicht schützenswert sein?

 Wir waren uns schnell einig: Von Abriss wollten wir nichts wissen. Wenn schon Neubau, dann an anderer Stelle auf dem Grundstück. Und wenn man schon nicht drin wohnen kann, dachten wir, dann wollen wir die Kate wenigstens als Schuppen erhalten. Doch dieser Plan brachte neue Probleme mit sich: Denn obwohl das Grundstück fast 3 Hektar umfasst, sind davon nur ein kleiner Teil Baugrundstück. Der Architekt zeichnete uns ein langes schmales Haus, direkt an die Wiese grenzend. Ja, das ginge. Und wir fingen an, über Fußböden und Zimmeraufteilungen nachzudenken.

 

Wann genau wir uns entschieden haben, allen Ratschlägen zum Trotz die Kate als Wohnhaus zu renovieren? Ich würde den Moment gerne als denkwürdig erinnern – aber wahrscheinlich haben wir die Entscheidung wie so viele wichtige nicht mit dem Verstand sondern ganz intuitiv genommen. Plötzlich war sie da. Die Zeichnung des geplanten Neubaus landete in der Schublade und wir haben angefangen den Umzug zu planen. Ach ja: und das Haus Grundstück gekauft.
Das war im April.

Wir hatten keine Ahnung, was da alles auf uns zukommen würde. Zum Glück!

Im August wollten wir umziehen. Denn dann würde unsere älteste Tochter die Grundschulzeit in Den Haag beenden und sollte dann gleich in Deutschland in die neue Schule gehen, statt sich erst noch in Den Haag an einen neue Schule gewöhnen zu müssen. Die ersten zwei Monate wollten wir in einer Ferienwohnung verbringen und die gröbsten Renovierungen hinter uns bringen. Danach würden wir aufs bewährte Modell Renoviere-während-du-wohnst zurückgreifen.

Das war der Plan. Aber wenn alles genau so gekommen wäre, dürfte diese Geschichte sich nicht „Abenteuer“ nennen.